Ich Tasche

Premiere: 14.05.2021 Studiobühne Siegburg
 

Wir leben in einem Land, in dem geschichtsvergessene Egoisten mit den Zumutungen des Augenblicks ringen. Manisches Mitteilungsbedürfnis trifft auf sozialen Autismus. So beschreibt Felicia Zeller bereits 2003 ein gesellschaftliches Phänomen, das 18 Jahre später sogar noch erfahrbarer wird. In ihrem Stück „Ich Tasche“ zeichnet sie Zerrbilder ausgeprägter Individuen, die in einem öffentlichen Raum (ICE Abteil) mit klaren Regeln und Normen aufeinanderprallen. Dabei monologisieren sie eher, anstatt miteinander zu sprechen. Trotz ständiger Bemühungen um persönlichen Abstand zwingt die Situation Nähe auf und löst damit Stress und Aggressivität aus. Ein Zustand, der uns allen seit der Corona-Pandemie nur allzu vertraut ist, wenn wir wieder mal im vollen Supermarkt shoppen oder, wie im Stück, Bahn fahren.

Codetta

Theater im Pumpenhaus bei Nacht.
In der Dunkelheit wirkt ein Gang durch das Theater im Pumpenhaus am ehesten wie
ein Gang durch eine versunkene Welt. Eine versunkene Welt, die alles
mit sich genommen hat - bis auf wenige Überreste: Tongefäße,
Feuersteine und Monumente aus Stahl.
Über tausend Jahre hat der Bau vom Pumpenhaus gedauert.
Länger haben Menschen nie an einem Denkmal ihrer selbst gearbeitet.
Heute ist es eine Ruine.
Die, die es erbauten, hinterließen keine Nachricht, wozu sie es taten;
auch der Stahl verrät nichts. Sinnlos umschmeichelt er die Augen
des Betrachters. Wer darauf blickt, wird letztendlich nur sich selbst entdecken und
die Silhouetten seiner Zeit.